Die Facetten der politischen Aktion

Soziale Missstände, ökonomische Ausbeutung, politische Willkür – es gibt viele Dinge, die es wert sind, sich gegen sie aufzulehnen und eine politische Aktion zu starten. Dabei gibt es immer wieder Aktionen, die nachhaltig im Gedächtnis bleiben. 2009 sorgten beispielswepolitische Aktion zu startenise Greenpeace-Aktivisten für große Aufmerksamkeit. Als es in Folge der Finanz- und Bankenkrise in Deutschland 2009 seitens der Bundesregierung zu massiven Bürgschaften für in die Krise geratene Bankinstitute kommt, erklettern die Aktivisten die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt und schmücken sie mit dem Slogan „Wäre die Welt eine Bank, hättet ihr sie längst gerettet.“ Politische Aktionen wie diese bleiben im Gedächtnis. Noch dazu können damit echte Erfolge erzielt werden.

Zu klären ist immer, ob es eine einmalige Aktion sein oder ob sie auf einer größeren Kampagne fußen soll. Dann kann eine Aktion nur ein Puzzleteil einer größeren und längerfristigen Strategie sein. Kreative Maßnahmen sind neben dem Beklettern symbolischer Institutionen auch Flashmobs bzw. Smartmobs, bei denen sich spontan Menschenmengen über das Internet verabreden und an einem vereinbarten Treffpunkt Aufmerksamkeit nicht nur durch ihre Masse zu erzeugen versuchen, sondern auch, indem alle das Gleiche tun. Des Weiteren gibt es viele verschiedene Formen des Theaters sowie öffentliche Lesungen, Reden, Vorführungen und dergleichen, um einer politischen Aktion Ausdruck zu verleihen. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt, solange dies gewaltfrei und im rechtlichen Rahmen geschieht.

Vor, während, nach der Aktion – was entscheidend ist

Vor einer politischen Aktion muss zunächst einmal die Situation analysiert werden. In welcher Struktur findet sich eine Gruppe zusammen, wer trifft die Entscheidungen, wer übernimmt welche Funktion? Sowohl strategisches als auch politisches Ziel müssen definiert werden. Welche Rolle spielt diese Aktion dabei und wie kann obendrein dafür gesorgt werden, dass Gewaltfreiheit gewahrt bleibt?

Dies alles will geplant sein. Zudem muss koordiniert werden, wie lange und auf welche Weise die Aktion von statten geht. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, ein Netzwerk zu spinnen, um die Aktion auszuweiten und noch öffentlicher zu machen. Überhaupt muss die Öffentlichkeitsarbeit geplant werden. Beispielsweise könnten Flyer bedruckt und verteilt oder die sozialen Medien genutzt werden. Oder es werden Pressemitteilungen verschickt. Ggf. müssen PressesprecherInnen zur Verfügung stehen, um die öffentliche Kommunikation zu gestalten. Eventuell braucht es dafür auch Trainings und Seminare, in denen die Teilnehmer in ihren Funktionen geschult werden.

Es müssen also alle organisatorischen Angelegenheiten geklärt und überdies der rechtliche Rahmen eingehalten werden. Dabei können innerhalb der Koordinierung Probleme auftreten, deswegen müssen die Gruppen- und Entscheidungsprozesse klar abgesprochen sein.

Wenn allen der Ablauf klar ist, werden während der Aktion möglicherweise Kommunikationssysteme benötigt, über die sich die einzelnen Teilnehmer in ihren verschiedenen Rollen – etwa Verbindungsmann zur Polizei, Pressesprecher, Ärzteteam, rechtliche Beobachter – austauschen können. Womöglich kann es außerdem sinnvoll sein, die Aktion digital zu dokumentieren.

Auch nach der Aktion gibt es etwaige Dinge, die zu beachten sind. Für den Fall, dass jemand verhaftet wurde, bedarf es vielleicht rechtlicher und (im-)materieller Unterstützung. Darüber hinaus muss die Aktion ausgewertet werden, zudem könnte eine nachbereitende Medienarbeit von Nöten sein. Dient die Aktion womöglich als Fallstudie, so sie denn digital festgehalten wurde? Dies muss geklärt werden. Zu guter Letzt sollte die Gruppe ihr weiteres Vorgehen besprechen und ihre künftige Strategie abstimmen. Erst dann ist eine politische Aktion abschließend geplant und durchgeführt. Daraus sollte ersichtlich sein, wie viel Feingefühl und Organisation eine gelungene politische Aktion braucht.