Straßenumbenennung in Magdeburg

lampeAm Abend des 9. Mai 1992 feierten etwa 30 Jugendliche den Geburtstag eines Freundes in der Gaststätte “Elbterrassen” im Stadtteil Cracau. Kurz vor Mitternacht rissen etwa 60 neonazistische Skinheads das Tor zum Gelände auf und begannen unvermittelt mit Baseballschlägern auf die Feiernden einzuschlagen. Einer der Angreifenden schoss mit Leuchtkugeln auf die panisch fliehenden Gäste. Während des 30-minütigen Angriffs riefen die Neonazis immer wieder Parolen wie “Heil Hitler!” und “Sieg Heil!”. In einer Nebenstraße hielten sich mehrere Streifenpolizisten auf. Diese verweigerten jedoch jegliche Unterstützung mit den Worten “Wir sind zu wenig Leute.” In der Zeit von 23.10 Uhr bis 23.20 Uhr erhielt die Polizei mehrere Anrufe von Anwohner_innen, die auf den Überfall aufmerksam machten. Die daraufhin abgestellten Polizeikräfte forderten weder Verstärkung an noch griffen sie ein, sondern beobachteten lediglich aus einiger Entfernung die Vorgänge. Erst gegen 23.45 Uhr, als die Angreifer sich bereits zurückgezogen und die Krankenwagen die Verletzten abtransportiert hatten, stellten die Beamten die Personalien der Angegriffenen fest und führten Waffenkontrollen durch. Mehrere Notärzte versorgten bereits die zum Teil schwerverletzten Opfer. Acht von ihnen mussten in ein Krankenhaus eingeliefert werden – darunter Torsten Lamprecht. Er verstarb am 11. Mai 1992 an einem offenen Schädelbasisbruch.

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08.06.: Der NSU-VS-Komplex, Vortrag mit Wolf Wetzel

Wetzel13 Jahre blieb der Nationalsozialistische Untergrund/NSU unentdeckt. Neun Morde wurden begangen, neun Mal verschoben die Behörden verschiedener Bundesländer die Mordhintergründe ins ›ausländische Milieu‹. Neun Mal will man keine ›heiße Spur‹ gehabt haben. Dennoch legte man alle neun Morde in die Blutspur des ›organisierten Verbrechens‹. Nachdem die Existenz der NSU nicht mehr zu leugnen war, reihte sich eine Panne an die andere. Dass in allen Behörden Beweise verschwinden, Akten verheimlicht, Falschaussagen gemacht, ganze Aktenberge geschreddert werden, beweist, dass weder ›Behördenwirrwar‹ noch ›Kommunikationschaos‹ herrsch(t)en, sondern der gemeinsame Wille, unter allen Umständen zu verhindern, dass etwas ans Licht kommt, was den bisherigen Erklärungen widersprechen würde. Eine Spurensuche.


Am 08.06.2013, ab 19.30 Uhr in der Geschichtskantine (Immermannstr. 29) in Magdeburg – Vortrag und Buchvorstellung mit Wolf Wetzel.

11.05.: Kranzniederlegung in Gedenken an Torsten Lamprecht

Lampe Am 11. Mai 2013 ist mittlerweile der 21. Todestag von Torsten Lamprecht. Für uns bleibt Lampe unvergessen, so wie alle anderen Opfer rassistischer und faschistischer Gewalt auch. Wir wollen Torsten mit einem stillen Gedenken angemessen würdigen.

Kommt zahlreich zur Kranzniederlegung am Grab.

Treffpunkt: 11.5.2013; 18.00 Uhr am Haupteingang Nordfriedhof (Lübecker Str.)/

Hintergrundinfos:

Am Abend des 9. Mai 1992 feierten etwa 20 Punks und Hippies auf den Elbterassen in Magdeburg Cracau den Geburtstag eines Freundes. Vor Ort waren permanent Polizisten postiert, welche die Feier überwachten. Wenig später wurde die Geburtstagsfeier zu einem Schlachtfeld. Kurz nach Mitternacht überfielen 50 -60 Nazis die Geburtstagsfeier. Die Täter griffen mit Baseballschlägern, Stahlrohren und Leuchtkugeln an. Trotz massiver Gegenwehr der Punks konnten sich die Faschisten Zugang zur Gaststätte verschaffen. In Panik versuchten sich die Angegriffenen in die Büsche und die Gaststätte zu flüchten, während einer der Täter sie mit Leuchtspurmunition beschoss. Als der organisierte Angriff begann, brach eine Panik aus. Zwischenzeitlich gelang es dem Wirt und Inhaber der Gaststätte über eine Mauer zu klettern und Hilfe zu holen. Als er in unmittelbarer Nähe einen Streifenwagen entdeckt und um Hilfe bittet, entgegnen die Beamten, dass sie zu wenige seien um einzugreifen. Innerhalb von einer halben Stunde wurde Torsten Lamprecht getötet und zwei dutzend Punks zum Teil schwer verletzt. Einer am Rand schlafenden Punkerin wurde mit einem Baseballschläger der Schädel und der Unterkiefer zertrümmert. Schon kurz nach dem Mord wurde seitens der Polizei behauptet, man sei schnell vor Ort gewesen. Dies widersprach allerdings nicht nur der Aussage des Inhabers der Kneipe, welcher angab, dass die Polizei erst eine halbe Stunde nach dem Überfall erschien. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits Rettungswagen vor Ort eingetroffen. Hinterher wurde klar, dass die Polizisten den Angriff aus sicherer Distanz beobachtet hatten und nicht eingeschritten waren. So sahen die Polizisten auch noch zu, als die Naziskins mit blutigen Baseballschlägern wieder abzogen. Es wurde gegen mehr als 30 Personen ermittelt und schließlich gegen 18 Täter Anklage erhoben. Im Februar 1995 wurde ein 24-jähriger Wolfsburger wegen Landfriedensbruchs im besonders schweren Fall in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu vier Jahren Haft verurteilt. Wer Torsten Lamprecht letztlich getötet hat, konnte nie richtig aufgeklärt werden.

Quelle: Blog Septemberdemo

Torsten Lamprecht unvergessen !

Offener Brief an Jutta Münschmeyer!

Liebe Jutta,

wir haben erfahren, dass am 13.04.2013 das 10-jährige Bandjubiläum der Wernigeroder Band "NotlöHsung" in deinem Gaststübchen stattfinden soll.

"Die Band, deren Musik laut eigener Aussage eine „gute Mischung aus Metal, Punkrock und Streetcore“ sein soll, wird zusammen mit „Punkfront“ (Berlin) und „Rien ne vas plus“ spielen. Nach außen hin gibt sich die Gruppe unpolitisch: „Aus Politik halten wir uns raus, dafür sind andere in diesem Land zuständig“, schreiben sie auf ihrer Facebook-Seite.

Die Musikgruppe besteht zur Zeit aus Chris „Scholle“ S. (28) als Bassist, Andy B. (29) am Schlagzeug, Gitarrist Christoper J. (25) und Sänger Rainer „Hakkus“ K. (27). Letzterer macht aus seiner rechtsradikalen Einstellung keinen Hehl und zeigt sich bei Auftritten auch in T-Shirts der Nazibands „Hassgesang“ und „Blutzeugen“. Ein Blick auf die gespielten Konzerte mit der Neonazi-Combo „Kategorie C“, der Nazipunkband „Punkfront“ und der mehr Braun- als Grauzonenband „Elbroiber“ offenbart schnell, dass „NotlöHsung“ kein Problem damit haben, zusammen mit politisch rechtsgerichteten Bands aufzutreten.

Mit den „Elbroibern“ aus Magdeburg nahmen die Wernigeröder die Split-EP „Grauzone Rock‘n'Roll“ auf. Auf dem 2010 veröffentlichten Tonträger singen sie gegen „die Szenepolizei“ an. Gerne wird dieser Begriff als Totschlagargument gegen kritische Stimmen gebraucht, wenn rechtsradikale Verstrickungen nicht mehr zu leugnen sind. Erst Anfang Februar diesen Jahres kam es in Magdeburg zu einem Übergriff auf antifaschistisch eingestellte Jugendliche durch Personen aus dem Umfeld der „Elbroiber“.

In Anbetracht dessen wirken Statements der Band wie „Bei uns ist jeder Willkommen, egal welcher Gesinnung er angehört, ob er links, rechts, oben oder unten ist“ wie ein hilfloser Versuch, sich der Verantwortung für das eigene Umfeld zu entziehen. Es wird eine scheinbar unpolitische Haltung der Band suggeriert, die nicht der Realität entspricht. (...)

Auch wenn „NotlöHsung“ es noch vermeiden, sich textlich offen als Neonazis zu outen, scheinen sie offensichtlich Sympathien für die rechte Szene zu hegen. Obgleich ihre Texte scheinbar unpolitische Themen aufgreifen, arbeiten sie ungeniert mit Personen aus rechten und rechtsoffenen Kreisen zusammen. Mit ihrer Beteiligung an Musikprojekten, die sich explizit von linken Einflüssen abgrenzen und rechtsradikale Bands einbeziehen, überschreiten sie bewusst die Grenze zum Rechtsrock." (Quelle: http://harzinfo.blogsport.de)

Jutta, wir wissen nicht, ob dieses Konzert schon angemeldet ist und du dir schon sicher bist, es stattfinden zu lassen, möchten dich aber darum bitten, das Konzert abzusagen. Das Publikum wird dir nicht gefallen und die Songtexte auch nicht. Wir gehen davon aus, dass du über die Hintergründe dieses Konzerts nicht informiert warst. Bei Bedarf helfen wir aber gerne bei der weiteren Aufklärung.

Erteile diesem Konzert und diesen Bands damit kurzfristig eine entschiedene Absage!

Mit antifaschistischen Grüßen

Bündnis Magdeburg Nazifrei

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