Die Bürger der Stadt Magdeburg grenzen sich gegen die Naziaufmärsche ab. Ihr Weg ist vielfältig und bunt!

Nicht erst seit Zeiten der „besorgten Bürger“, die über Nacht in ganz Deutschland gesellschaftsfähig geworden sind, wird deutlich, dass Sachsen-Anhalt dringend mehr Aufklärung und Ausgrenzung gegen Rechtsextremismus bedarf. Mit ihrer Initiative „Demokratie leben!“ startete Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig 2015 eine bundesweite Aktion für die Demokratie und gegen Ideologien der Ungleichwertigkeit. Mit einem Budget von insgesamt 50.5 Millionen Euro werden bislang 234 Kommunen mit bis zu 80.000 Euro jährlich gefördert.

Bündnis gegen Rechts (BGR) Magdeburg

Als Verfechterin einer offenen und liberalen Bürgergesellschaft in der Landeshauptstadt gilt seit 1997 das „Bündnis gegen Rechts Magdeburg“, bestehend aus engagierten Einzelpersonen, demokratischen Organisationen, Zusammenschlüssen und Organisationen. Mit ihrem Wahlspruch „Magdeburg gehört an jedem Tag den engagierten und menschenfreundlichen Demokratinnen und Demokraten“ werden Bürger aufgerüttelt, den Nazis die Stirn zu bieten.

Das Bündnis agierte gemeinsam mit „Miteinander e. V.“ als erster Organisator auf der „Meile der Demokratie“, eine alljährliche Protestveranstaltung im Januar – die 2017 bereits in die 9. Runde geht. 2016 nahmen über 10.000 Teilnehmer an dem bunten Programm teil, das mit Konzerten, Lesungen und vielfältigen kreativen Angeboten jedes Jahr mit Abwechslung und Spaß für ein weltoffenes Magdeburg wirbt. Mehr als 150 Stiftungen, Gewerkschaften, kirchliche Veranstalter und Vereine bereiteten den Besuchern die Möglichkeit gestalterisch tätig zu werden, ins Gespräch zu kommen und an Gedenkveranstaltungen teilzunehmen.

Alljährliche Aktionen unter dem Motto „Eine Stadt für alle“ gehen der Veranstaltung voraus. Die seit 2009 in der Stadt verlegten Stolpersteine, ein europaweites Projekt, auch in vielen deutschen Großstädten, werden von Schülern des Netzwerkes „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und deren Angehörigen poliert. Die Gedenktafeln aus Messing zeigen die Namen der Opfer, die zu Zeiten des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. In der Stadtbibliothek finden am Abend zuvor Lesungen zum Thema kritische Auseinandersetzungen mit rechtsextremen Gedankengut statt.

Zivilcourage und bürgerliches Engagement

Der BGR unterstützt auch Aktionen der Magdeburger Gastronomen und Betreiber wie „Wir servieren Zivilcourage“, in der sichtbare Plakate in den Lokalen aufgehängt werden, dass Rassisten, Sexisten, Schwulenhasser und Nazis nicht bedient werden. „Wir wollen mit der Initiative Verantwortung übernehmen und ein sichtbares Zeichen setzen. Wir wollen zeigen, dass wir Intoleranz und Rassismus keinen Raum in unseren Lokalen, Clubs, Bars, Restaurants und Geschäften geben.“

Diese Aktion war in der Vergangenheit nicht immer ganz ungefährlich. So wurden den ersten teilnehmenden Lokalen in nächtlichen Aktionen die Scheiben zertrümmert. Der BGR bemüht sich mit friedlichen Aktionen nicht zwischen die verschiedenen Fronten zu geraten und verzeichnete besonders 2013 große Erfolge bei einer friedlichen Sitzprotestaktion.