Historischer Rückblick

Als Teil von vielen geplanten Flächenbombardements auf deutsche Großstädte fand am 16. Januar 1945 ein verheerender Luftangriff auf Magdeburg statt.

Das Stadtgebiet wurde am Vormittag mithilfe von B17- und B24-Bombern bombardiert; amerikanische Bomber der 8. US Flotte flogen von der englischen Küste über den norddeutschen Raum nach Süden mit dem Ziel Magdeburger Handelshafen und Motorenwerk.

Bei dem Angriff wurden Teile der Nordstadt zerstört und es wurden 44 Tote gezählt. Dann fast 11 Stunden später, erfolgte der vollkommen unerwartete Nachtangriff der britischen Flotte: Um 21:23 Uhr traf der Masterbomber über Magdeburg ein, kreiste während des 39-minütigen Angriffs über der Stadt und leitete den Gesamtangriff.

Genaue Vorgänge am 16. Januar 1945

Von 21:26 Uhr bis 21:30 Uhr wurden die sogenannten Beleuchter, Lancaster-Bomber, vorausgeschickt, die aus einer Höhe von 6000 Metern in den Tiefflug herabstießen, um die Ziele für die anfliegenden Bomberwellen auszuleuchten.

Um 21:31 Uhr erreichten die finalen, sieben roten Zielgebietsmarkierer das Innenstadtgebiet um die Jakobikirche. Die erste Bomberwelle bestand aus 54 Lancaster-Bombern. Diese setzten die großen Bomben ab, die noch im Luftraum detonierten und Dächer abdeckten.

Die zweite Bomberwelle traf im Großverband von 116 Halifax-Maschinen von Süden ein, bestückt mit Spreng- und Brandbomben aller Größe. Um 21:40 Uhr wurde dann schließlich die letzte Bomberwelle aus dem Westen mit 181 Halifax-Maschinen ausgelöst, die den Feuersturm entfachte. Insgesamt kamen bei dem Angriff bis zu 2500 Menschen ums Leben. Die Zahl wurde erst Mitte der 90er Jahre nach einer kritischen Betrachtung der historischen Daten hinterfragt und deutlich herabkorrigiert.

Gedenkveranstaltungen in heutiger Zeit

Zum Gedenken an die Opfer des Angriffs finden alljährlich am und um den 16. Januar zahlreiche Gedenkveranstaltungen in der Stadt statt. An der Gedenkstätte am Westfriedhof werden Kränze niedergelegt und Zeitzeugen oder Berichte aus deren Publikationen legen Zeugnis ab über die Luftangriffe und die zerstörerische Feuersbrunst. Die Magdeburgische Philharmonie spielt im Opernhaus des Theaters Magdeburg zusammen mit dem Magdeburger Opernchor und der Singakademie traditionell Beethovens 9. Sinfonie. Ein jährliches Orgelkonzert findet im Kloster „Unserer Lieben Frauen“ statt. Danach läuten die Glocken aller Kirchen der Stadt für 10 Minuten, exakt zum Zeitpunkt des damaligen Angriffsbeginns um 21:26 Uhr.

Im Jahr 1999 fanden sich erstmalig Neonazis mit einem „Trauermarsch“ zum Gedenken der Bombardierung der Stadt in Magdeburg ein. Waren es anfangs nur 7 Teilnehmer, so erreichten die Versammlungsmärsche mit 1200 Teilnehmern 2012 ihre bislang größte Beteiligung.

Seit 2009 ruft eine Initiative des Bündnisses gegen Rechts (BGR) Magdeburg und Miteinander e. V. zu einem breiten Bündnis an zivilgesellschaftlichem Protest auf.

Die „Meile der Demokratie“ möchte eine friedliche und offene Gegenbewegung in Form von kreativen Aktionen und Zusammenkünften bieten. Sie richtet sich auch gegen den Versuch, Zahlen für rechtspopulistische Ziele zu verfremden. So kreiste im Rahmen der rechten „Gedenkmärsche“ 2014 ein Flugzeug mit einem Transparent und der Aufschrift „16.000 Tote – Unvergessen“ über Magdeburg.

Die „Meile der Demokratie“ lockte mit über 160 teilnehmenden Organisationen und Zusammenschlüssen zuletzt über 10.000 Besucher auf die Straßen von Magdeburg.